Wenn ich nicht zum Supermarkt gehe, obwohl ich Schmierblätter, wie Versicherungsdokumente oder Verträge mit Hollywood, als Toilettenpapier benutze und sogar zu den Nachbarn gehe, um nach sowas wie Toastbrot, Schinken, Kakao und allem anderen, was man für ein Frühstück braucht, frage, dann liegt das nicht daran, dass ich wirklich faul bin. Und mir gefällt es auch ganz sicher nicht, mein Brot mit Wurst ohne Brot zu essen. Aber noch weniger gefällt mir der Durchschnittssupermarkt.
Damit gehöre ich vermutlich zur Minderheit.
Die Menschen haben es wirklich leicht, unbeliebt bei mir zu sein. Und die meisten müssen sich einfach nur im Supermarkt befinden, um sich von mir in Luft ausgelöst gewünscht zu werden. Die Menschen im Supermarkt kümmert das natürlich wenig. Es würde sie auch nicht kümmern, wenn sie irgendwann in der Zeitung läsen (im Supermarkt gekauft), dass passionierte Supermarktbesucher sich in Luft aufgelöst haben.
Unglaublicher Weise kommen die bei mir unbeliebten Supermarktbesucher unter sich zurecht. Manchmal denke ich, ich mache mir einfach einen zu großen Kopf und ich rege mich zu leicht auf. Aber meistens denke ich, dass sie sich gegen mich verschworen haben oder ihnen egal ist, was man von ihnen denkt, und sie selbst nichts über andere denken.
Es geht schon los, wenn man in den Supermarkt möchte. Man kennt es in der Regel aus der U-Bahn. Zwanzig Leute möchten raus. Zwanzig Leute möchten rein. Außerdem möchten sie das gleichzeitig und keiner möchte nachgeben und schließlich kommt keiner raus, keiner rein. Die, die einmal in die U-Bahn gekommen sind, kommen entweder mit sehr viel Glück wieder raus oder fahren mit der Bahn, bis diese stehen bleibt und alle aussteigen müssen und keiner mehr einsteigen darf. Die, die draußen sind, kommen entweder mit sehr viel Glück wieder rein oder sie bleiben ewig vor allen nächsten Zugtüren stehen und tun so, als läge es wirklich nur an den anderen, dass sie nicht reinkämen. Ich übertreibe.
So wie eben beschrieben, ist es viel eher beim Supermarkt, nur fährt der Supermarkt glücklicherweise nicht nach zwei Minuten eine Supermarktstation weiter. Deshalb kommt jeder nach langem probieren rein und jeder nach langem probieren raus. Und das ist wirklich kein Zuckerschlecken bei Frauen mit Kindern und Kinderwagen, Leuten mit Einkaufswagen und Männern mit Kinderwagen, die später wieder in den Laden müssen, um das vergessene Kind zu suchen.
Ist man schließlich drin, sollte man sich einen Korb nehmen. Bietet der Supermarkt keine Körbe, sondern nur Einkaufswagen an, muss man halt alles auf den Armen tragen. Denn mit einem Einkaufswagen ist noch weniger durchkommen und vor allem läuft man Gefahr, dass man, hat man den Wagen kurz stehen gelassen, einen Euro und seine baldigen Einkäufe los ist, weil irgendeine Type bemerkt hat, dass in dem Wagen genau das war, was sie brauchte – und sogar noch ein bisschen mehr, aber das wird ja mit dem Euro finanziert, der noch im Wagen steckt.
Man hat also seinen Korb und macht sich zuerst auf zum Pfandautomaten. Da ist das nächste Ärgernis. Einer von drei Pfandflaschenabgebern hat keine Ahnung, wie man den Automaten bedient. Und in der Regel sind in der Reihe am Automaten vor ihnen zwei Leute. Weil Sie Ahnung haben, muss einer der beiden vor Ihnen keine Ahnung haben. Bei Ihrem Glück haben die beiden vor Ihnen keine Ahnung, während hinter Ihnen drei stehen, die welche haben.
Die Pfandidioten machen erstaunlich viel falsch, dafür, dass man nur mit Logik herangehen muss und das, was man nicht wissen kann, am Automaten steht. So werden Tetrapacks eingeworfen, Flaschen mit dem Kopf zuerst, und nicht zu selten haben Flaschenetiketten zerkratzte, unleserliche Strichcodes, die in der Verzweiflung des Pfandidioten, der sehen muss, dass seine Flaschen nicht angenommen werden, noch stärker zerkratzt werden.
Dummerweise sind diese Leute auch noch sehr hartnäckig und sehr davon überzeugt, dass es besser wird, wenn man die Flasche zehnmal einlegt. Sie wird zehnmal nicht angenommen und weitere zehn Mal in den Automaten gegeben. Irgendwann gehen die Pfandidioten dann, nachdem sie Ihnen geraten haben, sich lieber nicht mit dem kaputten Pfandautomaten rumzuquälen. Außerdem werden diese Menschen sich später noch an der Kasse bei der Kassiererin beschweren. (Es gibt auch Kassierer, aber das immer seltener, sodass manche Männer, die wirklich dringend Kassierer werden wollen (vielleicht weil sie nur gute Erinnerungen aus dem Supermarkt haben, HAHA), schon mit langen Haaren und geschminkt zum Vorsprechen erscheinen.)
Haben Sie schließlich den Supermarkt betreten und die Pfandflaschen abgegeben, müssen Sie die Idioten bewältigen, die im Weg stehen. Und es gibt wirklich viele Wege, im Weg zu stehen.
Am klassischsten sind die, die zu zweit einkaufen gehen. Die verlassen tatsächlich zusammen das Haus, um zum Supermarkt zu gehen (oder mal wieder zusammen was zu unternehmen), und dann steht einer/eine lediglich am Wagen, während der/die andere die Dinge sucht und in diesen Wagen tut. Und wenn der/die eine samt Einkaufswagen nicht schon im Weg steht, dann hält der/die andere sich notfalls über große Distanz am Wagen fest und verlangt so von jedem, der durch möchte, dass man Limbo unter den Arm hindurch tanzt. Könnte ja sein, dass die eine Person mit dem Wagen plötzlich abhaut oder geklaut wird...
Und es gibt noch die Preisabgleicher. Es ist nicht schlecht, den preiswertesten Artikel einer Produktkategorie zu nehmen, denn die teureren Artikel sind nur deshalb teurer, weil die Unternehmen wissen möchten, ob die Leute das wirklich zahlen. Nur darum sind Kameras im Supermarkt installiert. Sollten Sie je lesen, dass ein Unternehmer sich totgelacht hat, können Sie sich nun sicher denken, was Sache ist. Was die Preisabgleicher im Sinn haben, ist nichts Schlechtes, nein, aber es gibt wirklich keinen Grund, mehrere Minuten das Regal zu besetzten und tatsächlich daran zu glauben, dass die Preise, je länger man sie sich ansieht, kleiner werden. Sollte es jemals elektronische, sofort updatebare Anzeigen geben, würden die Preise, je länger man sie sich ansieht, sicher sogar steigen, denn die Lebensmittelpreise steigen ja ständig, wie man ständig im Fernsehen hört.
Nervig wie die Preisabgleicher sind auch die Weiber und Kerle, die das ganze Regal ausräumen. Nicht etwa um Kakerlaken oder so zu sichten und beseitigen, sondern weil sie glauben, das Überprodukt zu finden, das sich länger hält als alle anderen. Nie hat man davon gehört, dass Milch ein Jahr lang haltbar ist, aber trotzdem gibt es Leute, die fest daran glauben, und sich sicher sind, dass sich diese Milchpackungen irgendwo versteckt im Regal befinden und jeder, der sie gefunden hatte, von irgendeiner Behörde beseitigt wurde, weil die Wahrheit über die Existenz von unglaublich lang haltbarer Milch ja nicht an die Öffentlichkeit dringen darf. Außerdem sind es genau diese Leute, die sowas wie Milch gleich am nächsten Tag aufbrauchen.
Kinder. Kinder stehen nicht im Wegs sie rennen in den Weg. Entweder stolpert man über sie und hat Ärger mit der Arztrechnung oder man tritt sie versehentlich weg und hat Ärger mit den Eltern (wird aber wenigstens von den anderen bewundert, die total cool fanden, wie das Kind durch den halben Gang in die Saftabteilung getreten wurde). Am besten ist es, ganz langsam zu gehen, wenn man Kinder brüllen hört. Denn so wie man Autos nicht leise stellen kann, haben auch Kinder sowas wie ein Fahrgeräusch (in ihrem Fall Renngeräusch). Aber man sollte sofort langsam laufen! Denn durch die Hormone in unseren Lebensmitteln (aus dem Supermarkt) mutieren diese Kinder und können sehr schnell sein. Egal wie leise das Geräusch ist, in der nächsten Sekunde könnte es sehr laut und von direkt vor Ihnen kommen.
Haben Sie schließlich den Supermarkt betreten, die Pfandflaschen abgegeben und die gewünschten Sachen im Korb oder auf den Arm, sind Sie endlich an der Kasse. Hier kann Ihnen nichts mehr passieren.
Das war gelogen.
In der Schlange an der Kasse müssen Sie zum Beispiel Leuten ausweichen, denen eingefallen ist, dass sie noch dringend Deo brauchen (Sie haben das natürlich schon vor Minuten gerochen). Diese Leute kommen dann mit Deo, Shampoo, ihrem vergessenen Kind und einem Bügelbrett (war gerade im Angebot) wieder und möchten das aufs Laufband stellen. Also müssen Sie Ihre Sachen nach hinten schieben. Versteht sich doch von selbst.
Und selbst, wenn man endlich dran ist, hat man nicht seine Ruhe. Denn die Person vor Ihnen ist sehr langsam beim Einpacken. So vermischen sich Ihre Einkäufe mit denen des Lahmarschs. Und schließlich packen Sie zu Hause ein Bügelbrett aus.
Aber immerhin haben Sie den Supermarktbesuch überstanden.
Ein Verhaltensschein ist in diesem Fall keine schlechte Idee. Man kommt nur in den Supermarkt, wenn man mal eine Sich-Im-Supermarkt-Ordentlich-Verhalten-Prüfung bestanden hat und monatlich nachgeprüft wurde. Oder wenn man noch nicht den Führerschein, aber ein Auto, hat und in den Laden fährt.
Aber weil nur die Minderheit die Einführung eines solchen Scheins verlangt, kommt es nicht zu sowas. Wie auch immer, ich bin bügeln.