Vor langer Zeit waren Computer sehr teuer. So teuer, dass nur reiche Leute ihn sich leisten konnten. (Sie waren natürlich nicht wegen der Herstellungskosten so teuer, sondern damit die Hersteller auch reich werden – siehe Bill Gates, Steve Jobs oder den Setdesigner von Raumschiff Enterprise.) Heute, wo all die Hersteller eh schon reich sind, sind Computer billig. (Nein, für Apple-Geräte gilt das natürlich nicht.)
Außerdem sind die Computer immer kleiner geworden. Damals nahm ein Rechner den Platz eines Football-Feldes ein (so hat zum Beispiel eine High School in Texas ihre Football-Mannschaft aufgeben müssen, als sie sich einen Rechner angeschafft haben). Mittlerweile sind Computer so winzig, dass sie, wenn sie intelligenter werden und uns versklaven wollen, doch eher eine kleine Bedrohung darstellen.
Und weil die Studiengebühren in Höhe von 1500,- €* den Studenten nicht genug sind, kaufen sie sich auch noch so Sachen wie Autos, iPods, 3m² Mondfläche und selbstverständlich nicht mehr sehr teure, aber kleine Rechner: Laptops.
(* Falls der Leser sich über die niedrige Zahl von 1500,- € für Studiengebühren wundert: Dieser Text wurde 2010 verfasst.)
Es gibt zwei Arten von Studenten mit Laptops. (Eine dritte Art wären vielleicht noch diejenigen, die das Gerät zuhause lassen und nicht mit in die Vorlesung nehmen, aber ich will nur die anderen zwei vorstellen.)
Wir betrachten die erste Art: Das sind die, die die mobile Rechenmaschine mit in die Vorlesung nehmen, um sich dahinter verstecken zu können, weil der Professor die Studenten immer böse anstarrt.
Das war ein Scherz. Der ersten Art unterliegen Studenten, die den Laptop für Unisachen benutzen. Hier unterscheidet man wieder zwei Typen.
Zum Ersten hat man die, die ihre Übungen zur Vorlesung in eben dieser Vorlesung machen. In vielen Modulen muss man wöchentlich, zweiwöchentlich oder absolut unregelmäßig (hängt dann vom Alkoholgehalt im Blut der Zuständigen ab) Lösungen zu Übungsaufgaben abgeben. Die Ergebnisse werden dann bewertet und diese Bewertungen gehen in die Gesamtnote ein oder dienen als Qualifikation zur Klausur oder werden an die NASA geschickt, damit der Verein endlich auch mal wieder Ergebnisse bekommt, seit er immer seltener Sachen ins All schießen darf.
Nun gibt es aber Studenten, die einem Job nachgehen müssen, um sich ihre Laptops oder Legoland-Fahren leisten zu können. Oder sie haben keinen Job, sondern kriegen sehr viel Geld von den Eltern oder vom Staat oder von Bill Gates, der bei all seinem Reichtum auch mal wieder etwas zurückgeben möchte. Um dieses viele Geld ausgeben zu können, müssen sie leider Tag und Nacht Parties besuchen oder schmeißen.
So haben diese Studenten (ob schuftend oder feiernd) außerhalb der Vorlesungen keine Zeit für Übungen, sodass sie diese in der Vorlesung machen müssen. Und weil die Aufgaben meist im Internet veröffentlicht werden und wikipedia.de großartig zur näheren Überbringung des Themas ist, brauchen diese Leute den Laptop in der Vorlesung. Es sei ihnen verziehen.
Der zweite Typ: Leute, die sich das Skript auf dem Rechner ansehen. Denn während der Dozent damals noch aus einem riesigen goldenen Buch vorlesen musste (glaube ich – habe damals nicht studiert), sind es heute überwiegend Power Point Präsentationen (nein, keine Open Office Impress Präsentationen), die an die Wand projiziert werden und zu denen der Dozent etwas sagt. Diese Präsentationen (aus irgendeinem Grund Skript genannt) sind meist im Internet und können von Studenten mit Laptop schließlich angesehen werden, während die Vorlesung läuft (oder auch später zum Üben für die Klausur zuhause, aber wo ist da der Witz?).
Und nochmal unterteile ich in zwei Sorten.
Sorte eins: Leute, die die Folien auf dem Laptop anschauen. Und damit meine ich nur anschauen! Diese Studenten haben offensichtlich Angst vor einem steifen Nacken oder sie haben eine ernste Sehbehinderung, auf die ein Arzt mal einen Blick werfen sollte, bevor überhaupt wieder auf den LCD gestarrt werden darf. Tatsächlich haben diese Kandidaten immer genau die Folie aufgerufen, die vorne an die Wand geworfen wird. Das wäre ja alles nicht so lächerlich, wenn sie sich ein bisschen mehr wie Sorte zwei benehmen würden, doch sie ziehen es lieber vor, lächerlich zu sein.
Sorte zwei geht da das ganze nämlich sinnvoller an (und Sorte zwei finde ich daher auch total cool – und ich finde wirklich nur wenige Sachen total cool). Diese Hochschüler (mir fiel gerade ein neues Synonym für Studenten ein) haben auch genau die Folie auf dem Schirm, die der Professor an der Wand hat. Doch sie machen auch noch digitale Notizen dazu, denn moderne Software ermöglicht sowas.
Und so können sie sich kurz vor der Klausur nochmal alle Folien samt Notizen ansehen. Sicher, man kann auch alles ausdrucken und mit einem Stift (für Leute aus der Zukunft: das ist ein Gerät, mit dem man auf Papier schreiben oder malen kann, doch man darf es um Himmels Willen nie mit auf ein Flugzeug nehmen, weil man damit Leute erstechen kann) Notizen machen, doch wie viele von uns haben sich nicht schon nur zehn Minuten nachdem man Notizen mit dem Stift geschrieben hat, gewünscht, dass sie diese Notizen in hübschem Arial geschrieben hätten?
Die zweite Art! Das sind die Pfeifen, die den Laptop mit in die Vorlesung nehmen, um sich selbst von der Vorlesung abzulenken. Es ist nur eine unbegründete Behauptung, doch ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das meistens Studenten sind, die noch zuhause leben und von ihren Eltern (meistens ist es die Mutter, weil der Vater ja außer Haus zum Jagen ist) kontrolliert werden.
»Hast du heute eine Vorlesung zu besuchen?«, fragt die Mutter, während der Vater den Speer vorbereitet.
Der Student/die Studentin starrt auf seinen/ihren Laptop und spielt Killerspiele oder chattet mit irgendwelchen Leuten aus dem Ausland, die sein/ihr Facebook-Profil so toll finden, und nuschelt zurück: »Ja, aber ist doof da.«
Die Mutter wird wütend. Sie sieht böser, verärgerter und aufgebrachter aus als der Vater, der gerade böse Gesichter vorm Spiegel übt. »Uni ist wichtig!«, faucht sie, »Ich zahle nicht umsonst 1500,- € pro Semester!« Sie stampft auf ihren Sohn/ihre Tochter zu, greift ihn/sie an seinem/ihren Ohrläppchen und zieht ihn/sie zur Wohnungstür und wirft ihn/sie raus, während der Vater mit dem Speer zuzustechen übt.
So passiert das natürlich nicht immer – die Studentinnen werden noch mal eben zum Spiegel zum Schminken gezogen.
Entweder das oder die Hochschüler zweiter Art wollen nicht zuhause sein – weil die Freundin/der Freund gerade sauer wegen irgendwas ist oder weil es in der Wohnung stinkt, da man ohne Eltern oder Freund/Freundin da wohnt, sodass niemand sauber macht. Diese armen Leute können natürlich nicht irgendwoanders hingehen als in die Uni, weil… darum.
In dieser zweiten Art gibt es keine besonderen Typen. Die einen spielen Browsergames (das sind Spiele, für die man nur einen Webbrowser braucht, nachdem man haufenweise andere Software runtergeladen hat), die anderen checken ihre Mitstudenten auf studiVZ, Facebook oder (warum auch immer) schuelerVZ aus und die wieder anderen gucken tatsächlich Filme!
Auf jeden Fall ist alles gleichwertig bescheuert und ich kann – und darum schreibe ich das – denen nur ans Herz legen: Wechselt zur ersten oder dritten Art!